Mexikansiches Spa

Vor langer langer Zeit habe ich mir in Bali eine Pediküre gegönnt. Die gute Frau schnitt mir ohne zu fragen rateputz meine Nägel so kurz, dass mir danach beim gehen die Zehen weh taten. Seither habe ich mich von so Studios ferngehalten, bis auf heute.


Für eine Nacht bin in Cancún in Mexico. Hier ist es wie in Amerika, Burgerladen, Gomart usw. Beim Abendessen im einzigen Tacoladen den ich rund um mein Hostel gefunden habe, grinst mich frech von der Seite ein kleines Coiffeur/Nagelstudio an. Ich schaue auf meine Füsse und merke das man deutlich sieht, dass ich kein mobiles Nagelstudio mit mir rumtrage. Also beschliesse ich mir etwas zu gönnen. Die Besitzer des Studios sind ein süsses Ehepaar in ihren 50ern. Überraschenderweise kann ich mich ganz gut auf Spanisch verständigen, denke ich zumindest und so drücken sie mich zwischen Kunde und Ladenschluss noch rein. Ich werde auf einen Sessel platziert, Füsse und Hände in angenehm warmem Wasser. Die Rückenlehne wird auf Massage und Vibrieren eingestellt, darüber das die rotierenden Kugeln genau auf meine Wirbelsäule drücken schweige ich und versuche entspannt auszusehen. Er schmirgelt meine Füsse und ich bekomme eine sehr angenehme Wadenmassage und Peeling. Sie währenddessen werkelt an meinen Fingern.


Irgendwann merke ich, das sie meine langgewachsenen Nägel vorne gerade anschleift und ich frage ob sie diese rund lassen könnte. Ja klar, kein Problem war ihre Antwort und schleifelt nochmal ein bisschen daran rum. Irgendwann schiebt sie die Brille auf die Nase, grinst sie mich stolz an und fragt mich ob ich zufrieden wäre. Ich schaue auf meine Finger und mich trifft fast der Schlag. Jeder Nagel hat eine andere Länge, sie haben Hicke, bluteten am Nagelbet, manche sind rund geschliffen andere gerade, mache total zerkratzt und bei der Hand die als zweites dran war, sah man unter den Nägeln noch Resten der Tacos die ich zu Abend gegessen hatte. An einem Finger hatte ich zudem einen Schnitt. Ich bringe es jedoch nicht übers Herz ihr all dies mitzuteilen, lächle und beschliesse später selber noch nachzuschleifen.


Als er fertig ist mit Massieren, übernimmt sie. Sie frage mich wie lange ich sie den gerne hätte und ich denke mir, dass das immerhin ein Anfang ist. Sie schnippelt und poliert und trägt schliesslich den Nagellack auf. Korrigieren tut die gute Frau mit ihren eigenen Nägel die noch schwarz sind von einer Haarfärbung die sie vorher ausprobiert hatte. Von weitem sah das Ganze ganz passabel aus. Ich muss noch sitzenbleiben zum Trocknen. Währenddem kommt ein Kunde rein, der wohl eine Verwandter sein muss, da es schon nach Ladenschluss ist. Er setzt sich auf den Stuhl und sie frest mit der Dompteuse los, er zuckt zusammen und erklärt ihr was er gerne für einen Schnitt hätte. Dann domtöisiert sie weiter und ich sitze weiter auf meinem Thron. Zu allem Überfluss stellt der gute Besitzer den Ventilator ein, so das es mir die ganzen Haare von der Domteuse direkt in meinem Gesicht landen. Als die beiden mir mitteilen, dass meine Nägel jetzt trocken wären, ziehe ich mir meine Schuhe an und erhasche grad noch einen Blick auf die Pilzfrisur des anderen Kunden bevor ich um die nächste Ecke sprinte und lospruste.


Zurück in meinem Hostel will ich das ganze nochmal von Nahmen begutachten und kriege den Socken fast nicht mehr von meinen Nägeln los. Anstatt meiner zartrosa Nagelpolitur sind da jetzt Stofffetzen und Abdrücke und der Lack über meine ganzen Zehen verteilt. Jetzt weiss ich nicht mehr ob ich lachen oder weinen soll. Ich versuche mich damit zu trösten, dass ich in der Schweiz wohl schon für die Wadenmassage so viel bezahlt hätte und bin froh, dass ich mir dort nicht die Haare schneiden liess.